Ein Beruf, der nach Schokolade schmeckt
Zwischen 18 und 21 Grad, mit dem Duft von geschmolzener Schokolade in der Luft. In der Werkstatt vom Schoko-Laden Haag in Landeck dreht sich seit Jahrzehnten alles um ein einziges Produkt. Christoph Haag wollte ursprünglich nichts mit dem elterlichen Betrieb zu tun haben. Was erst als Aushilfe gedacht war, wurde zur Lebensaufgabe. Erlernt hat der frühere Koch das Handwerk direkt am Objekt, Schritt für Schritt von seinem Vater übernommen.
Nur Schokolade, sonst nichts
Was den Betrieb von einer klassischen Konditorei unterscheidet, ist schnell erklärt: Im Zentrum steht Schokolade, verarbeitet zu den unterschiedlichsten Füllungen, Pralinen und Figuren. Der Großteil der Arbeit passiert von Hand. Ausschließlich beim Abfüllen der Tafeln kommt Technik zum Einsatz, vor allem aus Gründen der Genauigkeit. Denn bei Gewichtskontrollen darf kein Gramm fehlen oder zu viel sein. Und ganz gleich, ob mit oder ohne Maschine: Haltbarkeit ist bei jedem Produkt ein zentrales Thema, gerade bei gefüllten Pralinen.
Zwischen Schule und Schokoladenwerkstatt
Wer den Beruf heute erlernt, wechselt zwischen Lehrbetrieb und Berufsschule, und befasst sich dort mit der Herstellung und Verarbeitung von Schokolade. Die Ausbildung zum Chocolatier oder zur Chocolatière sieht Christoph als äußerst positiv: In der Schule wird vieles noch einmal in Ruhe erklärt, während im Betriebsalltag der Fokus oft auf dem Wie, anstatt dem Warum liegt. Trotzdem braucht es für ihn mehr als theoretisches Wissen. Gerade beim Arbeiten mit Schokolade kommt es auf Erfahrung und Fingerspitzengefühl an:
Nach vielen Jahren im Betrieb hat Christoph noch immer nicht ausgelernt und genau das schätzt er an seinem Beruf: „Zum Teil fordert es mich immer noch heraus. Aber gerade das hat mich gehalten, das hat es für mich total interessant gemacht.“ Fachliches Können lässt sich seiner Meinung nach erlernen, Geschmack ebenso. Bei einer Sache ist er sich aber sicher:
Was man für alles braucht, egal was man macht, ist die Liebe zum Detail. Die kann man nicht lernen.
Christoph sieht großes Potenzial in seinem Beruf. Für junge Menschen mit Interesse an Genuss und Präzision hält er ihn für einen angenehmen Handwerksberuf, nicht zuletzt wegen der konstanten Raumtemperatur. Und was man herstellt, hält man am Ende auch selbst in der Hand. Dass Fachkräfte in der Lebensmittelbranche gebraucht werden, ist für ihn kein Werbeslogan, sondern Realität, die er in der wachsenden Nachfrage nach regionaler statt industrieller Schokolade täglich spürt.